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Ich liege da auf
der Couch auf-
gebahrt mit Reclam
und lese Gedichte.
Jede kleine dritte
Injektion gelingt,
für die andern gibt es
keinen Einlass.
Da ist eins über
Liebe, das passt
quer, rechte Dosis An-
rührungspotential.
Und plötzlich schwebt
der Gedanke eines andern
über mir, an und für und
liebt mich.
So zwei Minuten etwa
mit pochender Kehle,
Herzen und Bauch
liebe ich - auch.
Oder es war nur
das Wortgemisch und
der Nikotinpegel fiel
unter die Richtmarke.

Hallo Motte, guten Morgen 
die Idee hinter den Zeilen gefällt mir ausgesprochen gut, jedoch überzeugt mich die Umsetzung nicht so recht.
Die Zeilen sind aufgrund der krassen Umbrüche mit derartiger Anstrengung zu lesen, dass der Inhalt meines Erachtens untergeht, auch wenn die Umbrüche das Lesen auf zweierlei Arten gewährleisten, was überaus interessant ist. (vgl. An-rührungspotential; im übrigen eine trefflich-gelungene Teilung)
Möglicherweise bin auch einfach aufgrund der Uhrzeit der völligen geistigen Umnachtung erlegen. In diesem Falle bitte ich um Nachsicht, aber momentan sind mir die Zeilen zu abrupt getrennt, auch wenn das - wie erwähnt - Reiz hat.
Nichts für ungut, sorry
Liebe Grüße
apple

die Idee hinter den Zeilen gefällt mir ausgesprochen gut, jedoch überzeugt mich die Umsetzung nicht so recht.
Die Zeilen sind aufgrund der krassen Umbrüche mit derartiger Anstrengung zu lesen, dass der Inhalt meines Erachtens untergeht, auch wenn die Umbrüche das Lesen auf zweierlei Arten gewährleisten, was überaus interessant ist. (vgl. An-rührungspotential; im übrigen eine trefflich-gelungene Teilung)
Möglicherweise bin auch einfach aufgrund der Uhrzeit der völligen geistigen Umnachtung erlegen. In diesem Falle bitte ich um Nachsicht, aber momentan sind mir die Zeilen zu abrupt getrennt, auch wenn das - wie erwähnt - Reiz hat.
Nichts für ungut, sorry

Liebe Grüße
apple
#3
von Ulli Nois •
| 554 Beiträge | 554 Punkte
Minutenliebe
in Liebe und Leidenschaft 15.01.2006 14:29von Ulli Nois •

Oh Motte, diesen lyrische Schnappschuss finde ich sehr gelungen. Den Moment, den du da eingefangen hast, glaube ich auch gut zu kennen, so daß mir das ganze Geschehen von der ersten bis zur letzten Silbe sofort plastisch vor Augen stand (und im Herzen). "Empathische Resonanz" könnte man so etwas nennen. Der Gedanke eines anderen, vielleicht sogar "toten" Dichters schwebt plötzlich so lebendig über dir, richtet sich "an" dich und spricht "für" dich, dass du wie getroffen bist von der Übereinstimmung mit dem eigenen Gefühl, dich gemeint, geliebt und verstanden fühlst, mehr als vielleicht von deinen lebenden Mitmenschen.
Für jemanden, der von außen dazukommt oder draufkuckt, kann das sehr gefühlsduselig wirken, wenn da jemand zwischen Büchern Herzklopfen bekommt, weint oder andere Ausbrüche hat... Dadurch dass du ganz nüchtern, fast lakonisch beschreibst, was vorgeht, kommt die Situation aber nicht sentimental rüber. Der Verzicht auf Reime nützt der Wirkung sicher auch. Den brillianten Schußpunkt aber bildet das Wort "Richtmarke", weil du damit den Skeptikern Zucker gibst, die "Gefühle" dieser Art gerne mit irgendeiner Über- oder Untervesorgung des Gehirns erklären.
Das Herzpochen kann dem Ich keiner mehr nehmen, und warum sich mein Puls bei dem Lesen deines Gedichtes auch etwas erhöht hat (obwohl ich Nichtraucher bin
), nehme ich jetzt erst einmal dankbar hin, ohne es weiter zu ergründen...
Liebe Grüße, Ulli
Für jemanden, der von außen dazukommt oder draufkuckt, kann das sehr gefühlsduselig wirken, wenn da jemand zwischen Büchern Herzklopfen bekommt, weint oder andere Ausbrüche hat... Dadurch dass du ganz nüchtern, fast lakonisch beschreibst, was vorgeht, kommt die Situation aber nicht sentimental rüber. Der Verzicht auf Reime nützt der Wirkung sicher auch. Den brillianten Schußpunkt aber bildet das Wort "Richtmarke", weil du damit den Skeptikern Zucker gibst, die "Gefühle" dieser Art gerne mit irgendeiner Über- oder Untervesorgung des Gehirns erklären.
Das Herzpochen kann dem Ich keiner mehr nehmen, und warum sich mein Puls bei dem Lesen deines Gedichtes auch etwas erhöht hat (obwohl ich Nichtraucher bin

Liebe Grüße, Ulli

@ apple
danke für deinen Kommentar in so frühen Morgenstunden. Mag sein, dass ich selbst dieses Gedicht - da schon zu oft - „glattgelesen“ habe und die schwierigen Stellen deshalb überlese. Ich habe mich nicht um eine einheitliche Metrik bemüht und etwas mit der Form experimentieren wollen. Z.b. in Strophe 3 sollen die Umbrüche ganz klar mit dem Inhalt korrespondieren. Auf-gebahrt ist wahrscheinlich eine weniger sinnige Trennung als An-rührungspotential. Dass alles so ein wenig abgehackt wirkt, ist aber nicht ganz ungewollt..
Naja, vielleicht probierst es ja nochmal irgendwann gegen vier Uhr nachmittags, statt morgens..

@ Ulli
deine Reaktion hat mich riesig gefreut! Denn was kann ein Schreiberling schon mehr erhoffen, als eine Regung wie du sie beschreibst, beim Leser hervorzurufen?
Auch und obwohl meine ursprüngliche Intention bei diesem Gedichtes eine etwas andere war.. ich lasse gerne abweichende Lesarten zu, wenn das dazu führt, dass ein geschulter Lyrikleser Herzklopfen bekommt.

Liebe Grüße,
Motte
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